Presse


Pressemitteilung zur Lohntarifrunde 2018

Bau-Boom – Gewerkschaft fordert 6 Prozent mehr Lohn
„Mehr Kies“ für 3.970 Bauarbeiter aus dem Erzgebirgskreis gefordert
Lohn-Plus für Maurer, Zimmerer, Straßenbauer und Co. gefordert: Die rund 3.970
Bauarbeiter aus dem Erzgebirgskreis sollen mehr Geld verdienen. In der anstehenden Tarifrunde verlangt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) eine Lohnerhöhung von sechs Prozent über zwölf Monate. Ein Facharbeiter hätte damit am Monatsende knapp 190 Euro mehr auf dem Lohnzettel, so die IG BAU Südwestsachsen.
„In der Bauwirtschaft läuft es so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind prall gefüllt – oft kommen sie mit dem Bauen kaum hinterher“, sagt Bezirksvorsitzender Andreas Herrmann. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verzeichnete die Branche in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres ein Umsatz-Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bereits für 2016 hatte die Behörde einen Rekordumsatz von 107 Milliarden Euro gemeldet.
Herrmann: „Es ist höchste Zeit, dass die Bauarbeiter, die den Bau-Boom erst möglich machen und ihren Betrieben mit steigenden Umsätzen Rekordgewinne bescheren, davon auch etwas im eigenen Portemonnaie merken.“ So fordert die IG BAU neben dem Lohn- Plus auch ein volles 13. Monatseinkommen. Außerdem sollen Firmen die Ausbildungskosten komplett übernehmen und die Fahrt zur Baustelle als Arbeitszeit vergüten. „Nur wenn die Bauwirtschaft bei den Arbeitsbedingungen attraktiver wird, können wir den Trend zum Fachkräftemangel stoppen und umkehren“, so Gewerkschafter Herrmann. Die Tarifverhandlungen beginnen am 7. Februar in Wiesbaden.

Gewerkschaft fordert mehr Lohn auf dem Bau- Artikel in der Freien Presse

Gewerkschaft fordert mehr Lohn auf dem Bau - Chefs winken ab
Mit der Forderung eines Stundenlohns von 18,14 Euro hat die IG Bau vogtländische Unternehmer in Rage gebracht. Die Gewerkschaft hält den Aufschrei für übertrieben.
Von Lutz Hergert
erschienen am 16.05.2017in der Freien Presse

Auerbach/Chemnitz. Um 2,4 Prozent sollte der Stundenlohn im Bauhauptgewerbe ab 1. Mai auf 18,14 Euro steigen. Diese Mitteilung der Industriegewerkschaft Bau über die Höhe des Stundenlohnes stieß bei vogtländischen Baufirmen auf Unverständnis. Die Kommentare reichten von "völlig unreal" bis zu "da können wir gleich zumachen".
"Wer 13 Euro bezahlen kann, der ist schon gut. Die Baupreise lassen keine höheren Löhne zu", sagt Alfred Lindner aus Treuen. Der Mann kennt sich im Bau aus, weil er heute noch in dem Stuckateurbetrieb aushilft, den er 2011 an seinen Sohn übergeben hat. Spitzenkräfte würden im Vogtland maximal 16 Euro Stundenlohn erhalten, sagt Lindner. Dazu müssten sie aber ausgezeichnete Handwerker mit Führungsqualitäten wie Vorarbeiter sein.
Genauso sieht es ein Unternehmer aus dem Nordwesten des Vogtlands, der seinen Namen nicht nennen möchte. Er spricht davon, dass zwischen 12,90 und 16Euro pro Stunde gezahlt werden. "Gute Arbeit soll auch gut bezahlt werden", sagt der Mann, der 15 Mitarbeiter beschäftigt. Aber aufgrund des harten Preiskampfes sei das schwierig. Der Unternehmer rechnet vor, dass er den Auftraggebern bei einem Stundenlohn von 18 Euro etwa 45 Euro in Rechnung stellen müsste. "Das funktioniert nicht. Das können unsere Kunden nicht zahlen, weil sie selbst oft nur wenig verdienen." Außerdem spricht der Unternehmer von "einem knallharten Preiskampf", weil es im Vogtland relativ viele Baufirmen gibt. Trotzdem komme heute kein Baubetrieb mehr an Lohnerhöhungen vorbei: "Es ist schwierig, gute Mitarbeiter zu bekommen. Deswegen müssen auch die Löhne jedes Jahr leicht steigen."
Die 18,14 bezeichnet Andreas Herrmann als "Ecklohn". Er ist Vorsitzender des Bezirksverbandes Südwestsachsen der Industriegewerkschaft Bau. "Das ist der Durchschnitt zwischen dem niedrigsten Lohn auf dem Bau von 12,86 Euro in Lohngruppe II und 20,86 in Lohngruppe VI für Poliere. 18 Euro sollten Facharbeiter aber auf jeden Fall bekommen. Für Fachkräfte ist der Tariflohn die Messlatte." Gesellen, die nach dreijähriger Lehre übernommen werden, müssten 16,65 Euro pro Stunde erhalten. Laut Herrmann könnten Gewerkschaftsmitglieder oder Bauarbeiter, deren Firmen in einem Arbeitgeberverband organisiert sind, den Tariflohn einklagen.
Den Aufschrei der vogtländischen Baufirmen hält er für übertrieben. Es gebe in der Region sicher mehr Baubetriebe und dadurch auch mehr Probleme. "Aber ich habe ab und zu die Chance, die Ergebnisse von Ausschreibungen zu sehen. Manche Firmen könnten mehr zahlen. Es wird zu viel lamentiert." Dass es auch anders geht, würden die größeren Firmen zeigen: "Die halten sich an den Tariflohn und kommen finanziell trotzdem über die Runden."
Nach Ansicht des Gewerkschaftsmannes gehen "viele Baufirmen immer noch von den 11,30 Euro Branchenmindestlohn aus und zahlen dann knapp darüber". Er hält vielen Baubetrieben aber zugute, dass sie mit Regelungen außerhalb des Tarifvertrages versuchen würden, für ihre Mitarbeiter einen Ausgleich für den weniger gezahlten Lohn zu schaffen.

Zimmerer aus der Firma gemobt:
Gewerkschaft: Betriebsräte häufig unerwünscht

Kein Einzelfall: Kündigung als Mittel gegen Betriebsratsgründung

Plauen. Um jeden Preis verhindern, dass die Belegschaft eine Arbeitnehmervertretung gründet - diese Methode scheint in gewissen Kreisen gängige Praxis zu sein. "Uns begegnet das öfter", sagt Dagmar Baumgärtel vom DGB Südwestsachsen. Die "Freie Presse" hatte am Montag über einen 30-Mann-Betrieb aus einem Gewerbegebiet bei Plauen berichtet, bei dem drei unbequeme Mitarbeiter gefeuert wurden. Sie erhielten die Kündigung an dem Tag, an dem sie zur Betriebsratsgründung aufgerufen hatten.

Die Firma befindet sich im Vogtland in "guter" Gesellschaft. Die Gewerkschafterin nennt drei weitere Beispiele. Erster Fall: Ein Verpackungsproduzent schickt seine Vorarbeiter ins Stammwerk und lässt sie dort schulen, wie man eine Betriebsratsgründung verhindert. Die Belegschaft ist gespalten, der Chef soll ihr mit diesen Worten gedroht haben: "Ich schließe die Firma, wenn hier ein Betriebsrat entsteht." Ein Satz, der nach den Worten von Dagmar Baumgärtel bis heute wirkt.

Beispiel zwei und drei haben sich bei vogtländischen Automobilzulieferern zugetragen. Die Männer und Frauen dort wollen die Arbeitsbedingungen nicht länger hinnehmen und eine Interessenvertretung gründen. Beide Chefs drohen, die Störenfriede zu feuern. Am Ende gibt es doch Betriebsräte. In beiden Fällen sind es Baumgärtel zufolge Mitarbeiter, die der Geschäftsführung nahe stehen und unter Druck gewählt wurden: "Bei einem ist der Nachbar des Chefs Betriebsrat geworden."

Viele Vogtländer haben Angst davor, ins Hartz IV abzurutschen und lassen sich dabei einiges gefallen. "Diese Angst nutzen manche aus. Wenn sich die Mitarbeiter nicht zusammentun, wursteln sie ewig weiter vor sich hin", sagt Dagmar Baumgärtel. Die Methode zieht aber nicht nur im Osten. In Westfalen hat ein ähnlicher Vorfall Wellen geschlagen - so heftig, dass SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel versuchte, zwischen Mitarbeitern und Chef zu vermitteln. Beschäftigte einer Betonfirma, die einen Betriebsrat gründen wollten, wurden gefeuert.

Im Vogtland haben es solche Maschen noch nicht aufs politische Parkett geschafft. "Die Menschen trauen sich nicht aufzumucken", sagt DGB-Regionsvorsitzende Sabine Zimmermann. Auch die drei Entlassenen wollen anonym bleiben - aus Sorge, bei anderen Arbeitgebern als Störenfriede keine Chance mehr zu bekommen. Die Fluktuation ist offenbar hoch in der Firma. Informationen der "Freien Presse" zufolge erhält der Chef für einen Teil der knapp 30 Mitarbeiter Eingliederungszuschüsse vom Arbeitsamt. Für einen der drei Entlassenen kassierte er vier Monate lang je knapp 700 Euro. Kurz nachdem die gesetzliche Weiterbeschäftigungsfrist abgelaufen war, begehrte der Zimmerer auf und setze sich für einen Betriebsrat ein. Er musste sofort gehen.

Gewerkschafterin Sabine Zimmermann hofft auf einen Wandel am Arbeitsmarkt. Der Fachkräftemangel in der Region sei noch nicht groß genug, als dass der Markt solche Probleme von selbst regelt.

erschienen am 21.01.2013 ( Von Manuela Müller ) © Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG

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